Freut euch des Lebens

Text: Johann Martin Usteri (1763 - 1827), Schweizer Dichter und Maler
Meldodie: vermutlich Hans Georg Nägeli (1793)
Gattung: Naturlied
Sprache: Deutsch
C-Dur
    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

1. Man schafft so gern sich Sorg und Müh,
    sucht Dornen auf und findet sie
    und lässt das Veilchen unbemerkt,
    das dort am Wege blüht.

    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

2. Wenn scheu die Schöpfung sich verhüllt
    und laut der Donner ob uns brüllt,
    so lacht am Abend nach dem Sturm
    die Sonne, ach,(doppelt) so schön!

    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

   
3. Wer Redlichkeit und Treue übt
    und gern dem ärmern Bruder gibt,
    bei dem baut sich Zufriedenheit
    so gern ihr Hüttchen an.

    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

4. Und wenn der Pfad sich furchtbar engt
    und Missgeschick uns plagt und drängt,
    so reicht die Freundschaft schwesterlich
    dem Redlichen die Hand.

    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

5. Sie trocknet ihm die Tränen ab
    und streut ihm B!umen bis ans Grab;
    sie wandelt Nacht in Dämmerung
    und Dämmerung in Licht.

    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

6. Sie ist des Lebens schönstes Band:
    schlagt, Brüder, traulich Hand in Hand!
    So wallt man froh, so wallt man leicht
    ins bessre Vaterland !

    Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht;
    pflücket die Rose, eh sie verblüht.

Worte: Martin Usteri
Weise: vermutlich Hans georg Nägeli (1793)





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